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GPA-djp
Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier

Europa: Leben und Arbeiten während der Corona-Krise

Die Europäische Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen (Eurofound) startete am 9. April 2020 eine elektronische Umfrage zum Thema Leben und Arbeiten unter Covid-19. Dabei werden die aktuellsten Veränderungen während der Pandemie und ihre Auswirkungen erfasst. Ziel ist es, die Reaktionen auf die Corona-Krise aktiv mitzugestalten. Die ersten Ergebnisse zu den Auswirkungen der Pandemie auf Arbeit, Telearbeit sowie die finanzielle Situation der Beschäftigten liegen nun vor.
Temporärer oder permanenter Arbeitsplatzverlust
Während der Corona-Krise haben im europäischen Durchschnitt 28,5% der Beschäftigten vorübergehend oder dauerhaft ihren Arbeitsplatz verloren. Negativer Spitzenreiter hierbei ist Griechenland: Fast 47% der griechischen ArbeitnehmerInnen gaben in der Eurofound-Umfrage an, während der Krise temporär oder permanent ihren Job verloren zu haben. Ähnlich viele Arbeitsplatzverluste gab es in weiteren süd- und südosteuropäischen EU-Staaten wie Zypern (44%), Rumänien (39%) oder Italien (35%). 
Positiver Spitzenreiter ist hingegen Dänemark: Weniger als 10% der Befragten gaben hier an, ihren Arbeitsplatz vorübergehend oder dauerhaft verloren zu haben. Im erweiterten Spitzenfeld finden sich andere nord- und mitteleuropäische EU-Staaten wie Schweden (11%), Luxemburg (15%) oder die Niederlande (15%). Österreich befindet sich bei der Befragung mit knapp 18% Betroffenen auf dem fünft-besten Rang innerhalb der EU-Staaten.
 
Finanzielle Einschnitte für Beschäftigte
Ein sehr ähnliches Bild zeigt sich bei der Frage, ob die Beschäftigten aufgrund der Auswirkungen der Corona-Krise noch in der Lage sind, finanziell über die Runden zu kommen. Auch hier geben über 45% der griechischen Beschäftigten an, große Schwierigkeiten oder zumindest Schwierigkeiten damit zu haben, während sich der europäische Durchschnitt der Befragten bei 23% einpendelt. Bei dieser Fragestellung zeigt sich ebenfalls, dass vor allem die süd- und südosteuropäische Staaten wie Kroatien (42%), Rumänien (39%) oder Zypern (32%) im negativen Spitzenfeld liegen.
Kaum finanzielle Einschnitte durch die Krise geben hingegen dänische Beschäftigte an. Weniger als 7% haben große Schwierigkeiten oder Schwierigkeiten über die Runden zu kommen. Auch daraus lässt sich ableiten, dass die Beschäftigten nördlicher EU-Staaten wie Luxemburg (10%), Finnland (13%), aber auch Österreich (13%) vergleichsweise nur in geringem Ausmaß mit finanziellen Einbußen konfrontiert sind. 
 
Nord-Südgefälle in der EU weiter verstärkt
Anhand dieser Ergebnisse lässt sich ein Trend erkennen: Nahezu alle südeuropäischen Staaten liegen im überdurchschnittlich von der Corona-Krise betroffenen Bereich der Befragung, was Arbeitsplatzverluste oder finanzielle Einbußen betrifft. Dies ist nicht zuletzt auf die im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008 auferlegten Austeritäts- und Sparprogramme der EU zurückzuführen, die mit erheblichen Arbeitsmarktflexibilisierungen und dem Kaputtsparen von Gesundheits- und Sozialsystemen einhergingen.
Die nördlichen EU-Staaten hingegen sind insgesamt in viel geringerem Ausmaß von der Corona-Krise betroffen. Diese verfügen weitgehend auch über einen angemessenen ArbeitnehmerInnenschutz, intakte Gesundheits- und Sozialsysteme und können die Wirtschaft sowie Beschäftigte aufgrund größerem budgetären Spielraum, beispielsweise durch umfassende Kurzarbeitsmodelle oder Unternehmenszuschüsse, viel wirksamer unterstützen. Beschäftigte der ost- und südosteuropäischen Staaten sind vor allem aufgrund schlechter gewerkschaftlicher Organisationsgrade, niedriger Arbeits- und Sozialstandards ebenfalls verhältnismäßig häufiger von den Auswirkungen der Corona-Krise betroffen.
 
Entwicklung von Telearbeit
Im europäischen Durchschnitt verrichten 37% der Beschäftigten im Zuge der Corona-Krise ihre Arbeit von zuhause aus. Auch diese Umfrage zeigt bei genauerer Betrachtung ein eindeutiges Gefälle zwischen den nord- und mitteleuropäischen bzw. den süd- und osteuropäischen Staaten.
Lediglich 18% der rumänischen sowie 26% der griechischen Beschäftigten konnten ihre Arbeit von zuhause aus verrichten. Dagegen befinden sich 59% der finnischen und 58% der luxemburgischen Beschäftigten in Telearbeit. Österreich liegt auch bei dieser Umfrage mit 41,5% im oberen Drittel der EU-Staaten.
 
Hier geht’s zur gesamten Studie:
 

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