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GPA-djp
Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier
Geschäftsführer GPA-djp Tirol

GPA-djp-Schweighofer: „Die Katze ist aus dem Sack!"

WKO-Spitzenfunktionär Hernegger will Arbeitnehmerrechte in KVs beschneiden

In der neuesten Ausgabe der Mitgliederzeitung der WKO Tirol "Tiroler Wirtschaft" vom 13. Juli 2017 lässt Dietmar Hernegger, Spitzenfunktionär der Wirtschaftskammer Tirol, mit besonderen Weisheiten aufhorchen: „400 Seiten Kollektivvertrag sind 399 zu viel". – „Diese Aussage ist an Polemik nicht zu überbieten - dann bleibt genau ein Blatt Papier übrig, wahrscheinlich ein weißes Blatt Papier auf dem nichts steht“, kontert Harald Schweighofer, Geschäftsführer der Gewerkschaft der Privatangestellten – Druck, Journalismus, Papier (GPA-djp) Tirol. Als Beispiel nennt Hernegger den Kollektivvertrag für das grafische Gewerbe, der seiner Ansicht nach 400 Seite hat. „Der Kollektivvertrag umfasst 150 Seiten plus Lohntabelle, insgesamt kommt man auf keine 200 Seiten. Hat Herr Hernegger vielleicht doppelt gesehen?“, fragt sich Schweighofer.

Arbeitsgruppe beriet über Neugestaltung
Über zwei Jahre lang hat man im Rahmen einer Arbeitsgruppe versucht, eine Neugestaltung des Kollektivvertrages in diesem Bereich zu erreichen. „Wo war Herr Hernegger als Multi-Spitzenfunktionär der WKO und Obmann der Fachgruppe Druck in der Tiroler Wirtschaftskammer? Er hätte sich die ganze Zeit bei den Verhandlungen und in den Arbeitsgruppen einbringen können. Stattdessen hat er sich als Spitzenfunktionär und als Mitglied des Hauptverbandes im Verband Druck und Medientechnik für die Rücklegung des KV-Mandates des freiwilligen Arbeitgeberverbandes eingesetzt!“ ärgert sich Schweighofer und weiter: „Warum ist ein Kollektivvertrag, an dem Herr Hernegger jahrelang mitverhandelt hat, plötzlich kompliziert, verzopft und nicht mehr lesbar? Was hat er dann tatsächlich bei den KV-Verhandlungen getan? Er bezeichnet Kollektivverträge als ‚gewerkschaftsbürokratische Schildbürgerstreiche‘. Wie der Wortlaut besagt sind Kollektivverträge Verträge, die von zwei Partner unterzeichnet werden müssen. Hernegger hat als Funktionär des freiwilligen Arbeitgeberverbands Druck und Medientechnik an diesen ‚Schenkelklopfern‘ – wie die Kollektivverträge im Artikel bezeichnet werden -  die letzten Jahre mitgewirkt.“ Den ArbeitnehmerInnen im grafische Gewerbe sei das Lachen vergangen, die rund 450 MitarbeiterInnen in Druckereien haben seit 14. Juni 2017 keinen Kollektivvertrag mehr.

Kritik an Rundumschlag
Gleichzeitig verübt Hernegger als Obmann der Sparte Information & Consulting in der WKO Tirol einen Rundumschlag gegen ArbeitnehmerInnen anderer Branchen, wie Theaterangestellte, Gemeindebedienstete und städtische Gärtner. „Bevor Herr Hernegger auf andere Branchen ‚drischt‘, hätte er seine Aufgabe im Bereich des grafischen Gewerbes die letzten Jahre besser machen und an einem modernen zeitgemäßen KV mitverhandeln können. Vielleicht besinnt sich der Wirtschaftskammerfunktionär auf über 72 Jahre erfolgreiche Arbeit der Sozialpartnerschaft in Österreich. Verhandeln ist besser, als einen Rundumschlag gegen Kollektivverträge und ArbeitnehmerInnenrechte zu machen!“, ist Schweighofer überzeugt. Einen augenzwinkernden Seitenhieb kann er sich abschließend nicht verkneifen: „Ein Blatt Papier kann auch ein 16-Bogen-Plakat sein, dass von uns 200x gefaltet wird - dann ist wieder genug Platz für einen modernen zukunftsweisenden Kollektivvertrag im Grafischen Gewerbe.
Eigentlich hätten die rund 8.800 Beschäftigten in den österreichischen Druckereien im Jänner 2017 Grund zu feiern gehabt. Der älteste österreichweit geltende Kollektivvertrag wäre einhundert Jahre alt geworden, hätte nicht einer der Sozialpartner – der Verband Druck & Medientechnik (VDM) – im September 2016 eine Statutenänderung beschlossen: die Streichung des Kollektivvertrag-Verhandlungsmandates. Ein bisher einmaliges Vorgehen, um Kollektivvertragsverhandlungen zu verhindern und einen bestehenden Kollektivvertrag auszuhebeln.

Bekenntnis zu Sozialpartnerschaft
Tirols ÖGB-Vorsitzender Philip Wohlgemuth erteilt einem generellen Schlechtreden der Sozialpartnerschaft eine entschiedene Absage: „Ich habe die andauernden Angriffe auf die Sozialpartnerschaft und das Schlechtreden satt. Ich verwehre mich entschieden dagegen, dass das auf dem Rücken der ArbeitnehmerInnen ausgetragen wird! Die Sozialpartnerschaft sichert uns seit bald einem dreiviertel Jahrhundert sozialen Frieden in Österreich, diese Errungenschaft darf nicht leichtfertig schlecht geredet werden!“.

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