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GPA-djp
Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier

Pflegebranche – Demographischer Wandel verschärft akuten Personalmangel

MigrantInnen als Zukunftshoffnung?

Aufgrund der demographischen Entwicklung gewinnt der Pflegebereich zunehmend an Bedeutung. „Damit nehmen auch die Beschäftigungsmöglichkeiten zu, gleichzeitig allerdings kämpft die Branche mit einem anhaltenden Arbeitskräftemangel. Berechnungen zufolge werden alleine in Tirol bis zum Jahr 2020 ca. 1.100 zusätzliche Arbeitskräfte im stationären und im mobilen Bereich benötigt. Um Betreuung auf hohem Niveau zu ermöglichen, müssen die Rahmenbedingungen für das Pflegepersonal deutlich verbessert werden“, informiert Otto Leist, Vorsitzender des ÖGB Tirol. Kaum einem anderen Wirtschaftsbereich wird ein so großes Wachstum vorausgesagt wie dem Gesundheitssektor.

Höhere Tagessätze und befristete Pflegekarenz


Ruth Rath, Betriebsratsvorsitzende eines Innsbrucker Pflegeheimes, beschreibt die aktuelle Situation: „Einheitliche und höhere Tagessätze für die Pflegeeinrichtungen sind notwendig, damit die Auslastung der Pflegebetten nicht immer bis zum Limit erfolgen muss – das geht derzeit teilweise auf Kosten der BewohnerInnen und des Personals. Wenn Pflegeeinrichtungen schwarze Zahlen schreiben, sollte das Geld auch bei den Pflegeheimen für dringend notwendige Investitionen bleiben anstatt zurückgefordert werden.“ Rath fordert zudem zusätzliche Planstellen für Wohngruppenleitungen, da der administrative und der Pflegeaufwand anspruchsvoller werde. Leist besteht auf einem bundesweiten „Pflege- und Betreuungsfonds“, der vorrangig aus einer Erbschafts- und Schenkungssteuer gespeist wird. „Notwendig ist außerdem der flächendeckende Ausbau von alternativen Angeboten wie Tagesbetreuungszentren und betreutes Wohnen in allen Regionen und Rechtsanspruch auf eine befristete Pflegekarenz“, ist der Tiroler ÖGB-Vorsitzende überzeugt.

Hohe psychische Belastungen


Angestellte im Pflegebereich sind hohen psychischen und physischen Belastungen ausgesetzt, häufige Job-Wechsel sind die Folge. Im EU-Durchschnitt liegt die Verweildauer in Gesundheitsberufen bei sechs Jahren. „Als belastende Faktoren gelten unter anderem befristete Verträge, unregelmäßige und lange Arbeitszeiten, geringe gesellschaftliche Anerkennung und wenig Aufstiegs- und Karrieremöglichkeiten. Der Zeitdruck nimmt kontinuierlich zu, es bleibt oft nur wenig Zeit für den direkten Kontakt mit den Pflegebedürftigen – dabei war diese Komponente oft ausschlaggebend für die Berufswahl“, so Leist.

Die Bedeutung von MigrantInnen


Auch TirolerInnen mit Migrationshintergrund werden in den nächsten Jahren vermehrt professionelle Pflege benötigen, damit steigt der Bedarf an zweisprachigem und kultursensiblem Personal. Gleichzeitig können Menschen mit Migrationshintergrund helfen, den Personalmangel im Pflegebereich zu beheben. „Aktuell haben 10 bis 12 Prozent aller Tiroler AbsolventInnen von Pflegeausbildungen einen Migrationshintergrund. Das wird künftig zu wenig sein. Wir sehen es als gesellschaftliche und politische Verantwortung, Anreize zu schaffen, um MigrantInnen für den Beruf zu gewinnen“, ist Leist sicher.


Anhang:
Foto (Abdruck honorarfrei/ÖGB Tirol, Sachers): Otto Leist, Ruth Rath

Rückfragen:
Otto Leist, Mobil: 0664-450 24 16
Helena Sachers, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Mobil: 0664-614 51 8

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