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GPA-djp
Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier
Straßenaktion zum Tag der Arbeitslosen vor der Annasäule

Tag der Arbeitslosen: Ältere TirolerInnen im Fokus

AMS sieht keine Trendwende am Arbeitsmarkt, ÖGB fordert Bonus-Malus-System

Anlässlich des morgigen Tages der Arbeitslosen warnen das Arbeitsmarktservice (AMS) und der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) vor der steigenden Arbeitslosigkeit der Über-50-Jährigen. AMS-Landesgeschäftsführer Anton Kern weist auf den starken Anstieg der älteren Personen über 50 hin. „Im ersten Quartal 2015 ist die Arbeitslosigkeit in diesem Bereich um 9,6 Prozent oder 522 Personen angestiegen. Auch für das restliche Jahr und 2016 erwarten wir keine Trendumkehr für diese Altersgruppe.“ Otto Leist, Tirols ÖGB-Landesvorsitzender, fordert indes eine neue Form der Wertschätzung älterer ArbeitnehmerInnen: „Für uns sie das verborgene Gold im Unternehmen. Leider ist diese Tatsache nicht bei Tiroler UnternehmerInnen angekommen. Daher bleibt unsere zentrale Forderung auf die Einführung eines Bonus-Malus-Systems aufrecht.“

AMS: Tiroler Arbeitsmarkt – Ältere sind stärker von Arbeitslosigkeit betroffen
Der Tiroler Arbeitsmarkt stellt aktuell für viele Personen im erwerbsfähigen Alter eine besondere Herausforderung dar. Die Beschäftigungsmöglichkeiten und die Art der Beschäftigung (Stichwort Teilzeit) haben sich in den letzten Jahren verändert, altbekannte Muster funktionieren nicht mehr im gewohnten Umfang. Der Tiroler Arbeitsmarkt kann sich nicht von externen Einflüssen abkoppeln und reagiert sensibel auf Faktoren wie Erhöhung des Pensionsalter bzw. erschwerter Zugang zur I-Pension, Liberalisierung des Arbeitsmarkts für Personen aus den neuen EU Mitgliedsstaaten oder die fortschreitende demographische Entwicklung. Einzelne Personengruppen sind daher vermehrt von Arbeitslosigkeit betroffen, es sind diese vor allem Ältere ab 50, mit einer geringen Ausbildung, ausländischer Staatsbürgerschaft und gesundheitlichen Einschränkungen. Im ersten Quartal 2015 stieg die Arbeitslosigkeit in Tirol um 4,1 Prozent oder 943 Personen auf 23.704. Besonders davon betroffen waren ältere Personen über 50 (+9,6% oder +522), Personen mit ausländischer Staatsbürgerschaft (+8,1% oder +419) und Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen (+15,3% oder +692). Die Arbeitslosenquote Tirol gesamt lag im 1. Quartal 2015 bei 6,8%, 1 Q. 2014 6,6% (50+: 1.Q. 2015 7,6%, 2014 1.Q. 7,4%).

ÖGB: „Ältere ArbeitnehmerInnen – Das verborgene Gold im Unternehmen“
In diesem Punkt bringt Otto Leist die Kampagne des ÖGB, die bereits 2004 ins Leben gerufen wurde, in Erinnerung. „Wir weisen UnternehmerInnen schon seit mehr als einem Jahrzehnt auf die Bedeutung älterer ArbeitnehmerInnen hin. Doch wir orten ein massives Manko bei der Schaffung alternsgerechter Arbeitsplätze und kaum Bereitschaft Menschen über 50 anzustellen oder weiter zu beschäftigen. Wie die Tiroler Arbeitsmarktzahlen belegen, trifft der Arbeitsplatzverlust diese Altersgruppe enorm. Wir fordern Respekt beim Umgang mit älteren ArbeitnehmerInnen, nicht zuletzt deshalb, weil enormes Repertoire an Erfahrungswissen haben“, so Otto Leist.

ÖGB sieht Bonus-Malus-System als unverzichtbar
Alternsgerechte Arbeitsplätze, Arbeitsmittel und die Arbeitsorganisation müssen für den ÖGB so gestaltet werden, dass für ArbeitnehmerInnen die optimale Ausführung der Arbeit in jedem Alter gewährleistet ist. „Leider sehen viele Unternehmen die Lösung darin, sich von ArbeitnehmerInnen zu trennen. Daher braucht es die Einführung des Bonus-Malus-System, denn die Arbeitslosigkeit bei den Älteren ist unerträglich hoch. Das Bonus-Malus-Systems sieht vor, dass Unternehmen mit überdurchschnittlich vielen älteren Beschäftigten einen Bonus erhalten, mit dem sie zum Beispiel Investitionen in alternsgerechte Arbeitsplätze finanzieren können. Zur Finanzierung dieses Bonus sollen diejenigen Firmen etwas beitragen, die zu wenige Ältere beschäftigen“, lautet die Ansage von Otto Leist.

ÖGB fordert Maßnahmen im ArbeitnehmerInnenschutz und in der Gesundheitsförderung
Für die Arbeitsfähigkeit bis ins Pensionsalter spielt die Gesundheit der einzelnen ArbeitnehmerInnen und die Arbeitsbedingungen sowie die Arbeitsgestaltung eine große Rolle. Das ArbeitnehmerInnenschutzgesetz sowie die Bundesbedienstetenschutzgesetze bieten sehr gute Instrumente, über die Ermittlung und Beurteilung der Gefahren am Arbeitsplatz beispielsweise entsprechende Gesundheitsmaßnahmen für ältere ArbeitnehmerInnen zu setzen. „Unser Ziel muss es sein, die Arbeitsaufgaben und die Arbeitsorganisation dem Alter der Beschäftigten anzupassen“, sagt Leist. Schon eine Studie aus dem Jahr 1996 hat ergeben, dass sich arbeitende ÖsterreichInnen aufgrund ihres Alters im Vergleich zu anderen EU-Staaten überproportional diskriminiert fühlen. Dieser Trend hat sich in den vergangenen 19 Jahren verschärft.

Qualifizierung und Weiterbildung von ArbeitnehmerInnen
Viele ältere ArbeitnehmerInnen verfügen oft über spezifische und durchaus verwertbare Qualifikationen. Häufig fehlen aber die Möglichkeiten, die entsprechenden Kompetenzen zu erwerben, die durch Umstrukturierungen im Unternehmen oder durch technische Veränderungen notwendig wären. „Häufig wird bei Veränderungen der Arbeitsorganisation nicht darauf Rücksicht genommen, dass auch ältere ArbeitnehmerInnen die Gelegenheit haben müssen, die notwendigen Kompetenzen zu erwerben. Dazu kommt, dass der Kenntnisstand einseitig wird, wenn über einen längeren Zeitraum immer wieder die gleichen Tätigkeiten ausgeübt werden“, sagt Leist. Durch eine maßgeschneiderte Qualifizierung und Weiterbildung können in diesen Fällen die individuellen Ressourcen und Fähigkeiten gestärkt und verbessert werden.

ÖGB ortet falsche Unternehmenskultur
Oft verstellen Vorurteile gegenüber älteren TirolerInnen in unserer Gesellschaft, aber auch in den Betrieben die Sicht auf das Potential von älteren Beschäftigten. Diese Vorurteile wirken sich bei der Einstellungspraxis von älteren ArbeitnehmerInnen negativ aus, aber auch bei einem längeren Verbleib im Unternehmen. Vorurteile kommen besonders durch den Gebrauch der Sprache zum Ausdruck. Eine Unternehmenskultur, die diskriminierende Äußerungen erlaubt wie „Wie lange wollen Sie denn noch bleiben?“ oder „Mit 50 gehört man weg!“ wirkt sich besonders negativ auf das Selbstwertgefühl und die Motivation von Älteren aus. „Das mindert ihre Leistungsfähigkeit und ihr Engagement. Dadurch wird eine negative Spiralbewegung in Gang gesetzt, die sowohl den ArbeitnehmerInnen als auch dem Unternehmen nur Nachteile bringt. Im Umkehrschluss heißt dies, wenn es gelingt, älteren MitarbeiterInnen Wertschätzung und Anerkennung von Seiten der Unternehmensleitung und der Vorgesetzten entgegenzubringen, dann stellt dies eine wichtige Komponente für die Förderung von Gesundheit und Arbeitszufriedenheit dar“, sagt Leist.

AMS: Aussichten für heuer und 2016
Die Arbeitsmarktaussichten für das heurige Jahr und für 2016 bleiben für Tirol unverändert: Tirol wird eine bessere Entwicklung erfahren als der österreichische Durchschnitt. Die relative Zunahme der Arbeitslosigkeit wird nicht mehr den Wert aus dem Jahr 2014 erfahren. Ein Rückgang der Arbeitslosigkeit ist jedenfalls nicht zu erwarten. Die Arbeitslosigkeit bleibt unverändert auf höchstem Niveau, sodass der Arbeitseinstieg insbesondere für ältere Menschen in Tirol weiterhin sehr schwierig bleibt. Dies ist auch der Grund, dass sich der Schwerpunkt der arbeitsmarktpolitischen Aktivitäten für heuer und auch im nächsten Jahr auf die Verbesserung der Arbeitsmarktchancen älterer Arbeitsuchender konzentriert.

AMS: „Beschäftigungsinitiative 50+“
„Mit der „Beschäftigungsinitiative 50+“ setzt das AMS Tirol einen weiteren wichtigen Akzent zur Integration älterer TirolerInnen in den Arbeitsmarkt. Mit der betrieblichen Eingliederungsbeihilfe bietet das AMS jenen Betrieben, die auf das Know-how und die berufliche Erfahrung Älterer setzen, eine finanzielle Unterstützung bei deren Einstellung. Die Eingliederungsbeihilfe erfolgt in Form eines Zuschusses zu den Lohn- und Lohnnebenkosten. Für Frauen werden die Lohn- und Lohnnebenkosten für die ersten 2 Monate zur Gänze und für 4 Monate zu 60 % übernommen, Männer werden im 1. Monat zu 100 % und für weitere 5 Monate zu 50 % gefördert. Die geförderten ArbeitnehmerInnen müssen älter als 50 Jahre und länger als 6 Monate beim AMS arbeitslos vorgemerkt sein“, informiert Anton Kern.

AMS: Moderne Unternehmen erkennen das Potenzial Älterer
Aber auch ohne eine Förderung von Lohn- und Lohnnebenkosten verdienen sich ältere Arbeitsuchende eine Chance, ihr Know-how und ihre Erfahrungen in einem persönlichen Bewerbungsgespräch anbieten zu können. „Moderne Unternehmen, die auch in Zukunft ihren Erfolg fortsetzen wollen, erkennen bereits heute das Potenzial älterer MitarbeiterInnen. Sie setzen auf neue Arbeitsteilzeitmodelle, betriebliche Gesundheitsförderung, Teams von Jung und Alt, laufende Weiterbildungen sowie auf die professionelle Beratung und Vermittlung durch das Arbeitsmarktservice“, ist Anton Kern vom AMS Tirol überzeugt.

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