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GPA-djp
Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier

Entwicklung der Abfertigungskassen in Österreich

Hohe Gewinne, niedrige Performance, viel Administration

Die GPA-djp hat untersucht, wie sich die betrieblichen Vorsorgekassen (BVK) seit ihrer Einführung im Jahr 2003 entwickelt haben. Ausschlaggebend für die Einführung des neuen Systems war die Auslagerung der bisherigen Abfertigungsverpflichtungen der ArbeitgeberIn an eigens dafür vorgesehene Vorsorgekassen.

2003 bis 2010 gab es 9 Anbieter am Markt, 2010 kam mit der fair-finance eine 10. Vorsorgekasse dazu. 2015 wurde die ehemalige Siemens VK (Valida MVK Plus AG), die von der Valida gekauft wurde aufgelöst und das Vermögen an die Valida Plus AG übertragen. Im selben Jahr erfolgte der Verkauf der Victoria Vorsorge- und Pensionskasse an die Bonus. Die Gesellschaft wird 2016 aufgelöst. Es bieten daher gegenwärtig 8 Kassen das Produkt Abfertigung Neu an.

Im Jahr 2018 gab es 8 BVKn, die zur Wahl stehen: die APK Vorsorgekasse AG, die Allianz Vorsorgekasse AG, BONUS Vorsorgekasse AG, BUAK Betriebliche Vorsorgekasse GesmbH, fair-finance Vorsorgekasse AG, Niederösterreichische Vorsorgekasse AG, Valida Plus AG und die VBV – Vorsorgekasse AG.

Die Entscheidung über die Auswahl der BVK, sowie letztlich den Vertragsabschluss, ist durch eine Betriebsvereinbarung zwischen ArbeitgeberInnen und Betriebsrat vorzunehmen.
Durch das Aufkommen einer neuen Kasse ab 2010 hat die Anzahl der Wechsel zwischen Vorsorgekassen zugenommen und einige Kassen haben auf den Wettbewerb reagiert, in dem sie ihre Verwaltungskosten reduziert haben.

Lagen die Verwaltungskosten auf die laufenden Beiträge 2010 im Bereich 2,2 bis 2,9%, so liegen sie nun meist zwischen 1,4 % und 2,2 %. Bei den Vermögensverwaltungskosten verrechnen aber noch 4 von 8 Anbietern relativ hohe 0,7% des Vermögens (Allianz, Bonus, Valida Plus, VBV). Interessanterweise gibt es einen Anbieter, der auch mit 0,4% Vermögensverwaltungskosten auskommt (BUAK). Das ist jene Kasse, die keinen Finanzinstitutionen gehört und damit nicht unter Renditedruck seitens der Eigentümer steht.

Entwicklung von Berechtigten, Beiträgen und Vermögen
Die Vorsorgekassen verwalteten Ende 2018 insgesamt ein Vermögen von rund 11,5 Mrd. Euro. Die Zahl der anwartschaftsberechtigten ArbeitnehmerInnen lag bei Ende 2018 bei 3,49 Mio (inklusive der einbezogenen Selbständigen).

Die Ergebnisse der vorliegenden Analyse zeigen, dass sich die Ertragslage der BVK von 2003 bis 2017 gut entwickelt hat. Im letzten Jahr jedoch konntek eine der Kassen ein positives Veranlagungsergebnis vorweisen.


Die Veranlagungserträge in den Veranlagungsgemeinschaften betragen im untersuchten Zeitraum 1,52 Mrd. Euro, die Verwaltungskosten, die den Veranlagungsgemeinschaften in Abzug gebracht werden, summierten sich auf 704,7 Mio. Euro. Das heißt, dass die von den Kassen verrechneten Kosten 46% der erzielten Erträge ausgemacht haben.

Hohe Gewinne
Gewirtschaftet wurde dementsprechend: Alle Kassen weisen 2018 einen Jahresfehlbetrag aus (zwischen -26,1 % und -4,5 % zum Vorjahr). Nur die Allianz, die fair-finance und die VBV konnten einen Jahresüberschuss verzeichnen (+ 2,3 %, + 12,4 % und + 8,2 % zum Vorjahr).

2018 belaufen sich die Gewinne auf etwa 35,3 Mio. Euro. Die durchschnittliche Eigenkapitalrendite aller Vorsorgekassen liegt 2018 bei 18,4 %.

Der Markt ist relativ hoch konzentriert: Die Top 3 Vorsorgekassen - VBV Vorsorgekasse AG, Valida Plus AG und die Allianz Vorsorgekasse AG - verwalten über 71 % des Vermögens.
Die Ausschüttungsquote, die die Dividenden an die Eigentümer angibt, lag 2018 bei 36 %.

Performance
Der Veranlagungserfolg (Rendite) laut österreichischer Kontrollbank betrug im Jahr 2018 im Durchschnitt -1,97 % (Vorjahreswert: 2,15 %). Im Durchschnitt (annualisiert) betrug die Performance 2004 bis 2018 2,32 %.

Die Inflationsrate lag in diesem Zeitraum bei durchschnittlich 2,00%. Die Performance gibt aber nicht die volle Verzinsung der Beiträge wider, da von den Beiträgen Verwaltungskosten abgezogen werden, bevor diese veranlagt werden. Die Beitragsrendite liegt daher in vielen Fällen unter der Inflationsrate.

Forderungen
Die Reform der Abfertigung hat zwei wichtige sozialpolitische Zielsetzungen erfüllt: Nahezu alle ArbeitnehmerInnen wurden in das System einbezogen und die Mobilität der ArbeitnehmerInnen wurde erhöht. Wie die vorliegenden Studienergebnisse zeigen, sollte die Durchführung mittels gewinnorientierter Vorsorgekassen reformiert werden: Arbeiterkammern und Österreichischer Gewerkschaftsbund fordern eine Überarbeitung der gesetzlichen Regelungen, um eine kostengünstigere Administration der „Abfertigung neu“ zu ermöglichen.

Derzeit sind die Kassen in einer Situation, in der ihre Einnahmen stärker steigen als ihre Ausgaben, was sich in einer hohen Eigenkapitalrendite ausdrückt. Obwohl es zu einer Senkung der Prozentsätze der Verwaltungskosten auf laufende Beiträge kam, bedarf es einer Senkung der gesetzlichen Begrenzung der zulässigen Verwaltungskosten, damit die hohe Belastung der Erträge durch Gebühren der Kassen gedämpft wird.

Des Weiteren sollte die Kontenzersplitterung abgeschafft werden, weil diese das System unübersichtlich und aufwändig macht. ArbeitnehmerInnen, die öfter den Dienstgeber wechseln, haben ihre Abfertigungsanwartschaften bei mehreren Kassen liegen. Hier sollten die Anwartschaften immer bei der aktuellen Kasse zusammengeführt werden. 

Untersuchungsgegenstand
Die Studie gibt einen Überblick über die wirtschaftliche Lage der BVK in Österreich. Als Quellenmaterial wurden Jahresabschlüsse der einzelnen Kassen, sowie Daten des GPA-djp-Vorsorgekassenvergleichs herangezogen, der sich auf veröffentlichte Daten und Eigenangaben der Kassen stützt.

Die betriebswirtschaftliche Untersuchung analysiert die österreichischen Vorsorgekassen anhand einer Bilanzbranchenanalyse. Dafür wurden Geschäftsberichte und Jahresabschlüsse von den BVK (2003-2018) herangezogen.


Der Schwerpunkt liegt auf der Analyse der Ertragslage, der Kostensituation und der Veranlagungserträge sowie der gesetzlich verpflichtenden Kapitalgarantierücklage der BVK. Im Rahmen der Analyse wird auch auf die Ausschüttungspolitik sowie auf die Entwicklung einiger ausgewählter Bilanzkennzahlen (Eigenkapital- und Umsatzrendite) eingegangen.

Es wurden alle österreichischen Vorsorgekassen in die Untersuchung einbezogen, hierzu zählen: die APK Vorsorgekasse AG, die Allianz Vorsorgekasse AG, BONUS Vorsorgekasse AG, BUAK Betriebliche Vorsorgekasse GesmbH, fair-finance Vorsorgekasse AG, Niederösterreichische Vorsorgekasse AG, Valida Plus AG und die VBV Vorsorgekasse AG.

Hinweis: Der Inhalt dieser Branchenanalyse wurde mit größter Sorgfalt erstellt und basiert auf den veröffentlichten Geschäftsberichten. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Inhalte wird keine Gewähr übernommen.

Die gesamte Studie können Sie unter dem Text Downloaden.

 

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