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GPA-djp
Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier
Dr. Steffen Lehndorff, Uni Duisburg-Essen Dr. Steffen Lehndorff
Dr. Steffen Lehndorff, Uni Duisburg-Essen "Samstags gehört Vati mir!"
Ökonomin Christine Mayrhuber vom WIFO Ökonomin Christine Mayrhuber, WIFO

Arbeitszeitverkürzung: „Brauchen ein neues Arbeitszeit-Leitbild!“

Diskussion am Bundesforum: Neue Chancen für eine neue Arbeitszeitpolitik
Das Thema Arbeitszeit stand im Mittelpunkt der Diskussion am zweiten Tag des GPA-djp Bundesforums. Dr. Steffen Lehndorff von der Universität Duisburg-Essen machte sich in seinem Referat für ein neues gesellschaftliches Leitbild in Sachen Arbeitszeit stark. Nachdem bis in die achtziger Jahre die Gewerkschaften die Initiative in Sachen Arbeitszeitpolitik innehatten, ist diese Initiative an die Arbeitgeber und somit auf die betriebliche Ebene übergegangen.

Er sieht aber gute Chancen, diese Initiative jetzt wieder neu zu erkämpfen und wies auch auf entsprechende Initiativen und Ankündigungen der großen deutschen Gewerkschaften (ver.di und IG-Metall) hin. Er wies auf aktuelle Entwicklungen in der Arbeitszeitrealität hin, die es dringend zu hinterfragen gelte. Das ist zunächst einmal die Kluft zwischen der zunehmenden Vollzeitarbeit von Männern und der zunehmenden Teilzeitarbeit von Frauen. „Wenn man über neue Arbeitszeiten spricht, dann muss man auch an die Perspektive der Verlängerung der Arbeitszeit für Frauen denken.“, so Lehndorff. Dass laut Umfragen insbesondere Vollzeit arbeitende Männer den Wunsch nach Arbeitszeitverkürzung verspüren, müsse als  Chance ergriffen werden.

Auf der betrieblichen Ebene gehe es darum, die Verantwortung für die Arbeitsgestaltung an die Arbeitgeber zurück zu geben. Denn die Autonomie, die den  Beschäftigten gegeben wird, sei eine scheinbare und es ginge darum, über die Stärkung der Position der ArbeitnehmerInnen, eine tatsächliche Selbstbestimmung der Arbeitszeit durchzusetzen. Das funktioniert nur, wenn auch die Betriebsräte hier eine aktive Rolle spielen.

Kürzere Vollzeit als Chance für alle


Wenn man heute stark ausgeprägte und anerkannte gesellschaftliche Leitbilder, wie „Gutes Leben“, „Gesund bleiben im Alter“ und „Gleichstellung“ wirklich ernst nimmt, dann könne das als Impuls für eine neue Arbeitszeitdiskussion genutzt werden. Hier müssten die konkreten Ansatzpunkte ergriffen werden, die aber nur funktionieren, wenn die Betroffenen in die Gestaltung mit einbezogen werden. Die in Österreich zuletzt stark forcierte Freizeitoption in Kollektivverträgen, sieht Lehndorff als gute Chance, die individuelle Verfügbarkeit über die Arbeitszeit zurück zu erlangen und gleichzeitig ein Chance, auch wieder Druck für größere arbeitszeitpolitische Initiativen zu ergreifen.
 

Hohe Teilzeitqote und Anzahl All-In Veträge

 
In der anschließenden Diskussionsrunde wies die Ökonomin Christine Mayrhuber vom WIFO auf die sehr schwierigen Rahmenbedingung in Österreich hin. Das sei zum einen die sehr hohe Teilzeitquote von Frauen und zum anderen die sehr weite Verbreitung von All-In Verträgen und damit  verbundenen, auch  unbezahlten Überstunden. Sie sieht aber absolut die Notwendigkeit, eine Diskussion über die Neugestaltung und Verkürzung der Arbeitszeit zu führen.


GPA-djp Bundesgeschäftsführerin Dwora Stein sprach sich dafür aus, derzeit dominierende Lebenskonzepte von Männern und Frauen zu hinterfragen. Ziel müsse ein selbstbestimmtes Leben von Frauen sein. Das derzeit vorherrschende würde dem massiv entgegenstehen. Dazuverdienen und Teilzeit sei oft der erste Schritt in die Altersarmut von Frauen.

Der Betriebsratsvorsitzende von DPxFine Chemicals, Günther Gallistl , wies auf die extrem schwierigen Bedingungen auf betrieblicher Ebene hin. Die stärkere Überprüfung der aktuellen Arbeitszeitpraxis sei aber enorm wichtig und eine große Herausforderung für den Betriebsrat. 

>>> Bilder von der Diskussion

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