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Menschliche Arbeit wird auch in Zukunft gebraucht werden, sie wird nur anders aussehen. Menschliche Arbeit wird auch in Zukunft gebraucht werden, sie wird nur anders aussehen. -fotogestoeber - Fotolia.com

Was BetriebsrätInnen über Digitalisierung denken ...

Ein Stimmungstest unter 300 BetriebsrätInnen zeigt, dass sie der Digitalisierung grundsätzlich positiv, jedoch nicht unkritisch gegenüberstehen.

Dieser Artikel erschien im Mitgliedermagazin KOMPETENZ, Sonderausgabe Digitalisierung, Juni 2016
Autorin: Lucia Bauer


Die Digitalisierung ist in Österreichs Unternehmen angekommen – und zwar quer über alle Branchen. Bereits zwei Drittel der Unternehmen greifen zur Steuerung und Planung auf Softwaresysteme wie etwa SAP  zurück. Auch die Fertigung ist von der Digitalisierung stark betroffen. Knapp die Hälfte der Unternehmen im Sektor Industrie und Gewerbe setzen dafür computergesteuerte Prozesse (z. B. Roboter) ein. In fast 90 Prozent der Unternehmen geht die Digitalisierung von der Geschäftsführung aus, in etwa der Hälfte der Fälle liegen dieser Entwicklung Konzernvorgaben zugrunde. Als dahinterliegendes Ziel werden in 92 Prozent der Fälle betriebliche Kosten- und Nutzenerwägungen angegeben. Je größer ein Betrieb, umso höher ist die Digitalisierungsrate.

Das Sozialforschungsinstitut IFES hat im Rahmen des einmal jährlich durchgeführten Strukturwandelbarometers der AK Wien fast 300 Betriebsrätinnen und Betriebsräte gefragt, wie sie die digitalen Entwicklungen in ihren Unternehmen einschätzen. Fast drei Viertel sehen den zunehmenden Einsatz digitaler Techniken eher als Vorteil, wenn es um die wirtschaftliche Entwicklung geht. Deutlich kritischer sind die Einschätzungen bei den Veränderungen der Arbeitsbedingungen. Nur noch die Hälfte kann den digitalen Wandel in diesem Zusammenhang positiv sehen.

Auswirkungen auf die Beschäftigten

Auswirkung der Digitalisierung auf die Beschäftigten
 

Fast die Hälfte der Befragten sind der Meinung, dass die Einführung neuer Technologien sich auf die Qualität und das Niveau der Arbeitsplätze positiv auswirkt.

Auswirkung der Digitalisierung im Betrieb


Eher positiv gesehen werden auch die Auswirkungen auf die räumliche und zeitliche Autonomie der ArbeitnehmerInnen. Trotzdem glauben, weniger als 20 Prozent, dass die Digitalisierung die Work-Life-Balance verbessert. Auch was die Arbeitsbelastung betrifft, wird die Digitalisierung weniger positiv eingeschätzt. Für fast 60 Prozent ist damit eine erhöhte Arbeitsbelastung verbunden. Nur zwölf Prozent sehen darin eine Erleichterung. Besonders problematisch werden die Auswirkungen für ältere ArbeitnehmerInnen gesehen. Fast die Hälfte der BetriebsrätInnen sehen diese eher negativ, nur acht Prozent sehen eine positive Entwicklung.

Qualifikationsstrukturen
 

Auswirkung der Digitalisierung auf die Qualifikationsstrukturen


Die Digitalisierung bestimmt auch ganz maßgeblich mit, welche neuen Qualifikationen bei ArbeitnehmerInnen und auch Be-triebsrätInnen gefordert sind. Fast zwei Drittel der Befragten geben an, dass digitale Kompetenzen bei der Neuaufnahme von Beschäftigten entscheidend sind. Fast 60 Prozent sagen, die betriebliche Weiterbildung hat zugenommen. Nur 20 Prozent sa-gen, dass neue digitale Kompetenzen auch eine bessere Entlohnung zur Folge haben. Digitale Kompetenzen und die Bereit-schaft, sich in dieser Richtung weiterzubilden, werden also vorausgesetzt, die Arbeitgeber sind jedoch nicht bereit, diese finan-ziell zu honorieren.

Mitbestimmung

Auswirkung der Digitalisierung auf die Mitbestimmung


Wenig erfreulich ist das Befragungsergebnis, wenn es um die  wirtschaftliche Mitbestimmung im Unternehmen geht. In 65 Prozent der Fälle wird der Betriebsrat nur informiert, wenn neue Technologien eingeführt werden sollen. Nur in 14 Prozent der Fälle wird er auch aktiv eingebunden.

Resümee

Die österreichischen Betriebsrätinnen und Betriebsräte können der Digitalisierung durchaus etwas abgewinnen und stehen ihr grundsätzlich positiv gegenüber. Sie sehen jedoch auch die damit verbundenen großen Herausforderungen. Dazu zählen wenig überraschend die steigende Arbeitsbelastung durch die ständige Erreichbarkeit und die Gefahr, dass vor allem ältere ArbeitnehmerInnen nicht auf den digitalen Zug aufspringen können. Besonders problematisch ist die gelebte Unternehmenspraxis in Hinblick auf die Mitbestimmung. Geschäftsführungen treiben die Digitalisierung aktiv voran, verabsäumen es dabei jedoch die Belegschaftsver-tretungen einzubinden. BetriebsrätInnen wird also nichts anderes übrig bleiben, als das (noch mehr als bisher!) aktiv einzufordern.

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