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GPA-djp
Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier
Watchlist Prekär: Selbständigkeit ist oft alles andere als freiwillig Selbständigkeit ist oft alles andere als freiwillig

GPA-djp verstärkt Kampf gegen Scheinselbstständigkeit

Erweiterte Beratungsstruktur für Beschäftigte auf Basis von Freien Dienst- und Werkverträgen oder Honorarbasis

RegalbetreuerInnen, die nahezu täglich an- und wieder abgemeldet werden. JournalistInnen, die bestens in den Redaktionsalltag integriert sind und jahrelang auf die versprochene Anstellung warten. Pflegekräfte, die plötzlich als Selbstständige für ihren ehemaligen Dienstgeber arbeiten, was bedeutet, dass zwar das Arbeitspensum gleich bleibt, aber sie ihre Pensions- und Krankenversicherung selbst bezahlen müssen.

Diese und eine Reihe weiterer Beispiele sind der Grund dafür, dass die GPA-djp (Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier) mit der Onlineplattform Watchlist Prekaer seit dem Vorjahr ein wirksames Instrument im Kampf gegen die wachsende Zahl der prekären Dienstverhältnisse anbietet: Betroffene können Rahmenbedingungen und Daten ihrer Arbeit anonym angeben, die GPA-djp leitet die Angaben weiter an die Gebietskrankenkassen, die dann Beschäftigungsverhältnisse im Unternehmen prüft, um zu klären, ob tatsächlich eine selbstständige Tätigkeit vorliegt. Die zuständige Kasse klärt auch, ob eine rückwirkende Anstellung möglich ist und leitet gegebenenfalls arbeits- und sozialversicherungsrechtliche Schritte ein.

Selbständigkeit ist oft alles andere als freiwillig
Aktuell zählt die Statistik Austria 472.400 Selbständige, was einen Anteil von 11,4 Prozent aller Erwerbstätigen bedeutet, 2010 waren es noch 8 Prozent. Vor allem Ein-Personen-Unternehmen (EPU) haben in den vergangenen Jahren stark zugelegt. „Allein im Vorjahr wurden laut Wirtschaftskammer 29.561 neue Unternehmen gegründet, mehr als 40 Prozent davon in der Sparte Gewerbe und Handel. Der Weg in die Selbständigkeit ist allerdings oft alles andere als freiwillig. Immer öfter müssen sich Menschen selbständig machen, weil ihnen sonst mit Kündigung gedroht wird“, erklärt Veronika Kronberger von der Interessengemeinschaft work@flex in der GPA-djp. Für die Betroffenen bedeutet prekäre Beschäftigung neben der Tatsache, dass sie wegen fehlendem Urlaubs- und Weihnachtsgeld fast immer weniger Geld verdienen als ihre angestellten KollegInnen, so Kronberger: „Diese Menschen verdienen im Jahr durchschnittlich unter 9.000 Euro brutto. Etwaige Kosten für Versicherung und Steuern müssen noch abgezogen werden. Wie viel Freiheit, Glück und Selbstbestimmtheit sind mit 9.000 Euro pro Jahr möglich?“

Beratungsstruktur ausgebaut
Die Erfahrungen der ersten Monate bestätigen den Handlungsbedarf, ergänzt Alois Bachmeier, stv. Bundesgeschäftsführer der GPA-djp: „Ihren Angaben nach zu schließen besteht keinerlei Freiheit oder Selbstbestimmtheit bei den Freien DeinstnehmerInnen und Neuen Selbstständigen aus allen Branchen, die sich bis jetzt bei der Watchlist gemeldet haben, das sind keine echten zufriedenen UnternehmerInnen, sondern Scheinselbstständige. Während Vertreter der Wirtschaftskammervertreter und der SVA lautstark gegen die Prüfungen der Gebietskrankenkassen kampagnisieren, melden sich bei uns immer mehr Betroffene. Es lag also auf der Hand, dass wir unsere Beratungsstruktur ausbauen.“ Ab sofort können sich Betroffene nicht nur an die Onlineplattform, sondern zur Beratung auch an jede Regionalgeschäftsstelle der GPA-djp wenden, in allen Bundesländern haben ExpertInnen der GPA-djp in den vergangenen Wochen Schulungen zur Thematik absolviert.

Koordinierung gegen prekäre Arbeitsverhältnisse
„Die KollegInnen sind jetzt nicht nur fit, um Beratungen durchzuführen, sie nehmen auch eine gewisse Koordinierungsfunktion im Kampf gegen prekäre Arbeitsverhältnisse ein und vernetzen sich mit den anderen Bundesländern“, bringt es Christian Jammerbund, stv. Regionalseschäftsführer der GPA-djp Steiermark, auf den Punkt: „Es ist höchste Zeit, um Beschäftigte mit freien Dienstverträgen arbeitsrechtlich gleichzustellen!“

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