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GPA-djp
Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier

Werden MigrantInnen am österreichischen Arbeitsmarkt diskriminiert?

Schlechte Jobchancen und geringeres Einkommen – Diskriminierung von Migrantinnen & Migranten am österreichischen Arbeitsmarkt

"Aber woher? Bei uns doch nicht!", so mögen viele denken, doch eine aktuelle Studie von Uni Linz und IHS belehren uns eines besseren.
Wissenschaftlich bestätigt gibt es nun einen Befund, der an Deutlichkeit nichts zu wünschen bzw. keinerlei Interpretationsspielraum übrig lässt:
 
Sowohl im Bewerbungsverfahren als auch in der Entlohnung werden AusländerInnen in Österreich systematisch schlechter behandelt als vergleichbare InländerInnen. Die Ergebnisse reihen sich damit ein in Untersuchungen für andere Länder, die, etwa für Deutschland, zu einem ähnlich hohen Ausmaß an Diskriminierung kommen.

Diskriminierung im Bewerbungsverfahren

Für diese Studie wurden insgesamt 2142 (fiktive) Bewerbungen versendet. Die ewerberInnen unterschieden sich nur durch den Namen und ein Foto, nicht jedoch durch ihre Ausbildung und Berufskarriern. Alle (fiktiven) TeilnehmerInnen sind österreichische StaatsbürgerInnen und haben ihre Ausbildung in Österreich absolviert.
Die Personen kommen aus Österreich, Serbien, Türkei, China und Nigeria. erkenntlich gemacht wird dies durch Namen und Foto.
Die Bewerbungen wurden zu Stellenausschreibungen für folgende Berufe versandt:
Kaufmännische Berufe (Sekretariat, Buchhaltung/Personalver­rech­nung) und Tourismusberufe (Koch/Köchin, KellnerIn und RezeptionistIn).
 
Die Ergebnisse zeigen, dass BewerberInnen aus Serbien sich 1,31 Mal öfter bewerben müssen als ÖsterreicherInnen, um zu einem Vorstellgespräch eingeladen zu werden. ChinesInnen 1,37 Mal, TürkInnen 1,46 Mal und NigerianerInnen 1,98 Mal so oft als ÖsterreicherInnen.


Diskriminierung bei der Bezahlung

Anhand von Daten des Mikrozensus  und der Arbeitsmarktdatenbank des BMASK wurden die Bruttostundenlöhne und –gehälter von InländerInnen und AusländerInnen/MigrantInnen verglichen, mit folgenden Ergebnissen:

Brutto-Unterschiede: Das Einkommen von Ausländerinnen ist um rund 18% niedriger als jenes von Inländerinnen. Bei den Männern ist die Differenz ebenfalls deutlich, das Einkommen von Ausländern ist um rund 15% niedriger als jenes von Inländern. Am deutlichsten sind die
Unterschiede zwischen Östereicherinnen und Türkinnen.


Internationaler Vergleich

Die Studie verweist auch auf Experimente, die bisher in 15 OECD-Ländern durchgeführt wurden. Hier zeigt sich ebenso ein signifikantes Ausmaß an Diskriminierung gegenüber ethnischen Minderheiten bei Bewerbungsverfahren. MigrantInnen müssen sich 1,1 bis 2,5 Mal häufiger bewerben als Nicht-MigrantInnen, so die Ergebnisse dieser Untersuchungen in anderen Ländern. Die Werte für Österreich bewegen sich zwischen 1,3 und
2,0, je nach ethnischer Gruppe.

Auch bei den Einkommensunterschieden können international deutliche Hinweise auf Diskriminierung festgestellt werden, etwa bei Studien zu Deutschland (Siehe Link). Je nachdem welche Faktoren im Vergleich zwischen MigrantInnen und Nicht-MigrantInnen berücksichtigt werden, liegt das Ausmaß der Schlechterstellung zwischen 10-20%, ähnlich den Ergebnissen zu Österreich.

Resumee

Die Diskriminierung in unserem Land von MigrantInnen zieht sich durch alle Lebensbereiche und beginnt früh im Leben.
Sie findet in der Schule, bei der Wohnungssuche und - wie hier gezeigt - am Arbeitsmarkt statt.

Trotz geltender gesetzlicher Diskriminierungsverbote ist die Einhaltung dieser Regelungen nicht gewährleistet und muss stärker überwacht werden.
Auf der Fachtagung "Wir halten sie in Evidenz" (siehe Link) wurde auch die Forderung nach anonymen Bewerbungsverfahren oder der Wunsch nach einem sozialpartnerschaftlichen Übereinkommen zur Nicht-Diskriminierung von AusländerInnen in der Lohnpolitik thematisiert.


Diskriminierung ist verboten!

Studie Österreich:
http://www.sozialministerium.at/cms/site/attachments/0/0/9/CH2247/CMS1318326022365/diskriminierung_migrantinnen_arbeitsmarkt.pdf

Studie Deutschland:
Deutschland: https://kops.ub.uni-konstanz.de/xmlui/handle/urn:nbn:de:bsz:352-214529

Fachtagung "Wir halten Sie in Evidenz"
http://www.migrare.at/cms1/




 

 

 

 

 


 

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