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GPA-djp
Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier

Qualitätssicherung braucht ein selbstbestimmtes Berufsbild

Lernmöglichkeiten für Erwachsene zu schaffen

Bei der Anhebung des allgemeinen und beruflichen Kompetenzniveaus der europäischen BürgerInnen schreibt die Europäische Union der Erwachsenenbildung eine Schlüsselrolle zu und fordert die Mitgliedstaaten dazu auf, mehr und bessere Lernmöglichkeiten für Erwachsene zu schaffen. Dass bei der Umsetzung dieses Vorhabens der Professionalität der Lehrkräfte eine steigende Bedeutung zukommt, wird dabei ausdrücklich betont:

"Die Tätigkeit der Lehrkräfte in der Erwachsenenbildung muss anerkannt und aufgewertet werden, indem die berufliche Weiterentwicklung gefördert und eine angemessene Entlohnung gewährleistet wird."1)

In Österreich ist man von einer  sachgerechten Anerkennung der hoch qualifizierten Tätigkeit, welche Lehrkräfte in verschiedensten Einrichtungen der Erwachsenenbildung tagtäglich leisten, noch weit entfernt. Dies lässt sich nicht nur an entwürdigenden Arbeitsbedingungen ablesen, sondern auch daran, dass die Lehrkräfte in diesem Bereich auf kein selbstbestimmtes Berufsbild zugreifen können. Es wäre dies ein Berufsbild, das beschreibt, wie ErwachsenenbildnerInnen ihre Berufsarbeit selbst verstehen und das eine differenzierte Information über Auftrag, Tätigkeiten und Aufgaben, fachliche und menschliche Anforderungen, Rahmenbedingungen und Erwartungen des Berufs gibt.

Die Aufgabenfelder in der Erwachsenenbildung sind zwar sehr vielfältig, gleichwohl lassen sich ganz allgemein einige grundlegende Kompetenzbereiche anführen, die für eine solche Lehrtätigkeit konstitutiv sind 2) und die weit über reine Fach- und Medienkompetenzen hinausgehen:

a) Pädagogisch gesellschaftliche Kompetenzen, im Sinne eines umfassenden Wissens und Verstehens von Vorgängen in Gesellschaft und Bildungspolitik.

b) Didaktisch-methodische Kompetenzen, d.h. die Fähigkeit zu professionellem Planen, Durchführen und Evaluieren von Unterricht unter Einbeziehung individueller und zielgruppenspezifischer Aspekte.

c) Beratungskompetenzen, insbesondere im Bereich der Berufsorientierung- und Bildungsberatung.

d) Sozial- und Kommunikationskompetenzen, die sich auf alle bildungsbeteiligten Ebenen beziehen müssen.

e) Managementkompetenzen, welche für die Schaffung und Aufrechterhaltung von organisationalen Bedingungen erforderlich sind, um ein erfolgreiches Unterrichtsgeschehen zu ermöglichen.

f) Personale Kompetenzen (Empathie, Ausdauer, Begeisterungsfähigkeit sowie professionelle Nähe und Distanz zu Themen und Personen)

Wer allerdings, wie das für den aktuellen Diskurs in der österreichischen Erwachsenenbildung typisch ist, solche anspruchsvolle Kompetenzanforderungen und Aufgabenfelder lediglich als Bringschuld der betreffenden Lehrkräfte thematisiert und allein schillernde Zertifizierungssysteme kreiert, baut wertlose potemkinsche Dörfer. Es wären dies nicht mehr als Beschreibungsformeln auf Papier, welche de facto deklassierten Aschenputtel im Lehrberuf zu MagierInnen des Bildungswesens erheben. Dem kann nur durch Professionalität entgegengewirkt werden, indem eine Partizipative Bildungskultur geschaffen wird, kraft der alle Betroffenen ihre (Leit-) Vorstellungen einbringen und - menschenwürdige Arbeitsbedingungen vorausgesetzt - verwirklichen können.

1)  Mitteilung der Kommission an den Rat vom 23. Oktober 2006 "Erwachsenenbildung: Man lernt nie aus" [KOM(2006) 614
 2) Weiterbildungsakademie /Heilinger

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