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GPA-djp
Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier

Organizing-Projekt in Deutschland

Irgendwo in Deutschland – ein riesiges Krankenhaus mit tausenden Beschäftigten: Krankenschwestern, PflegerInnen, ÄrztInnen, Reinigungspersonal,… Die Beschäftigten stehen vielen Problemen gegenüber: Überlastung, geringe Bezahlung, zu wenig Betten für die PatientInnen, schlechte Arbeitsorganisation, befristete Verträge und vieles mehr.

Eine kleine Zahl an hauptamtlichen OrganizerInnen der Gewerkschaft ver.di hat sich vorgenommen, die Pflegekräfte dabei zu unterstützen, die Probleme selbst in die Hand zu nehmen. Dazu haben sie zuerst nach aktiven KollegInnen gesucht, die an ihren Problemen etwas verändern wollen: Also Menschen im Betrieb, die ein gutes Standing bei ihren KollegInnen haben, die verantwortungsvoll und vertrauenswürdig sind – und die vor allem mit den KollegInnen über die Gewerkschaft reden. »Die Gewerkschaft« – das ist im Sinne des Organizing nicht nur die große Organisation, die Kollektivverträge verhandelt und bei der mensch Mitglied ist oder nicht – sondern Gewerkschaft, das sind die Leute an der Basis im Betrieb/Krankenhaus/Verein/…, die etwas verändern wollen und die sich dafür zusammenschließen, sich austauschen und aktiv werden. Organizing ist der Aufbau von Gewerkschaft im Betrieb. Der Schlüssel für einen Organizing-Prozess ist: Zuhören. Klingt einfach, ist es dann aber doch nicht. Denn es geht darum, ein zielgerichtetes Gespräch zu führen, in dem erstmal herausgefunden wird, welches Anliegen die einzelnen KollegInnen haben…

-   Wie geht‘s dir im Team/in der Arbeit?
-   Was macht dir zu schaffen?
-   Was soll sich bei uns hier verändern?
-   Wie zufrieden bist du mit deiner Arbeit?
-   Was sagen deine KollegInnen dazu?
-   War das schon immer so?

… und wie der/die GesprächspartnerIn dazu steht:

-   Wie geht‘s dir dabei/damit?
-   Kannst du mir das genauer erklären?
-   Was macht das mit deiner Familie/deinem Privatleben/deiner Freizeit?
-   Wie gehst du damit um?
-   Wie wirkt sich das auf dich aus?
-   Wie ist es dazu gekommen?

Das Wichtigste jedoch ist, nicht nur Probleme erzählt zu bekommen, sondern im Gespräch klarzumachen: »Was du schilderst, betrifft viele KollegInnen. Das ist kein individuelles Problem. Dieses Problem hast nicht nur du, sondern so geht‘s deinen KollegInnen im Team/an den anderen Standorten auch. Deshalb können wir es nur gemeinsam angehen.« Denn eines ist klar: »Wir brauchen eine gemeinsame Stimme. Genau das bedeutet‚ Gewerkschaft‘«. Und – noch wichtiger – ist die/der KollegIn bereit, den nächsten Schritt zu tun? Das kann ruhig ein kleiner Schritt sein: die Telefonnummer hergeben, um für ein Treffen eingeladen zu werden, zum nächsten Treffen zu kommen, KollegInnen ein Flugblatt zu geben, ein Plakat auf der Station/im Teamzimmer aufzuhängen…

Im anfangs beschriebenen Krankenhaus kam es, nachdem einige KollegInnen überzeugt waren, dass etwas getan werden musste, zu »Aktiventreffen«. Dort wurde von den Beschäftigten selbst festgelegt, was ihre Hauptanliegen sind und wie sie diese angehen möchten. Und – immer wichtig – wie der Kreis der aktiven KollegInnen erweitert werden kann, zB durch das gemeinsame Trainieren von Einzelgesprächen. Mit Unterstützung der OrganizerInnen von ver.di wurden bei diesen Treffen Forderungen aufgestellt und Aktionen geplant.

Nach und nach wurde ein Eskalationsplan entworfen:

Aktion 1   KollegInnen verteilen den Fragebogen bei ihren KollegInnen und sammeln ihn wieder ein;

Aktion 2   KollegInnen hängen das – gemeinsam entworfene – Plakat auf ihren Stationen auf;

Aktion 3   KollegInnen sammeln Unterschriften bei ihren KollegInnen;

Aktion 4   eine Delegation von KollegInnen wird zum Management geschickt;

Aktion 5   KollegInnen bemalen Luftballons (zB mit Fragen bezüglich der vielen Befristungen: »Hängst du auch in der Luft?«, »Bist du auch befristet?«; auf anderen wiederum war eine Ankündigung des nächsten Aktiventreffens) und hängen sie am Uniklinikumsgelände auf (bei den Eingängen, Pausen-/RaucherInnenecken usw.);

Aktion 6   KollegInnen schicken eine Delegation zum Vorstandsmitglied, das für die Krankenversorgung zuständig ist; weiters gibt es Kundgebungen mit Transparenten und Trillerpfeifen, Infotische mit Info-Wänden,...

Nachdem der Platz hier nicht ausreicht, alles wiederzugeben: Was es sonst noch gab, wie es ausgegangen ist – einfach selbst nachlesen unter: www.respekt-im-uniklinikum.de

Mehr zum Thema Organizing unter: http://organizing.verdi.de – zB das Handbuch »Wir sind die Pflegekraft« oder der Film »Organizing im Praxistest«.

Wir sind die Pflegekraft: http://drei.verdi.de/2011/ausgabe-38/ausblick/seite-8/wir-sind-die-pflegekraft-2013-ein-handbuch

Pflegeaktivisten: https://www.facebook.com/pages/Pflegeaktivisten/430470030349730

Pflege am Boden: http://www.pflege-am-boden.de/

Care macht mehr: http://care-macht-mehr.com/

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