Um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten, speichert diese Website Informationen über Ihren Besuch in sogenannten Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen über Cookies, sowie welche Daten wir wie lange speichern, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Dort können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen und die Browsereinstellungen entsprechend anpassen.

GPA-djp
Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier

Historischer Tarifvertrag für "Scheinselbständige" (Dänemark)

Von der "Scheinselbstständigkeit" zum Kollektivvertrag!

Hunderte von ArbeiterInnen die für die dänische Online-Plattform „Hilfr“ als Scheinselbstständige zur Reinigung in privaten Haushalten beschäftigt wurden, haben diesen Sommer erstmals einen Kollektivertrag erhalten. Sie werden dadurch zu ArbeitnehmerInnen mit allen Rechten und einem Anspruch auf einen kollektivvertraglichen Mindestlohn.

Die verantwortlichen Gewerkschaft 3F (Vereinigte Dänische Arbeitergewerkschaft) hat mit einem neuen Kollektivvertrag die Hausangestellten von Hilfr, die früher selbständig waren, zu Angestellten gemacht. Dadurch sind sie nun auch durch das EU- und nationale Arbeitsrecht geschützt. Seit dem 1. August werden alle Beschäftigten die ein Profil auf der Plattform erstellen zwar noch als SelbstständigeR die Arbeit beginnen, aber nach 100 Stunden automatisch angestellt und vom neuen Gewerkschaftsvertrag erfasst.

Die einst schutzlosen Scheinselbstständigen erhalten so automatisch Rentenbeiträge, Urlaubsgeld und Krankengeld. Und nicht zuletzt erhalten sie auch deutlich höhere tarifvertragliche Löhne. Mindestens 141 Dänische Kronen pro Stunde, was rund 19 Euro entspricht stehen ihnen nun zu. Zuvor haben die freiberufliche Hilfr-Reinigungskräfte nur etwa 115 Dänische Kronen pro Stunde, also etwa 15,50 Euro erhalten und hatten keinen Anspruch auf Rentenbeiträge, Urlaubsgeld oder Krankengeld.

Ein bedeutender Schritt vorwärts

Das dänische Ministerium für Industrie, Wirtschaft und Finanzen schätzt, dass es im Jahr 2017 in Dänemark rund 140 digitale Plattformen gab. Der dänische Verbrauch von Carsharing und privater Vermietung durch Plattformen wie Airbnb lag zwischen rund 57 Millionen und 83 Millionen Euro. Wie in Österreich sind es dänische Beschäftigte gewohnt, für nahezu jede Arbeit Tarifverträge zu haben, was jetzt von der Plattformwirtschaft in Frage gestellt wird. ArbeitgeberInnen digitaler Plattformen, beschäftigen eine große Anzahl von Pseudo-Selbstständigen und FreiberuflerInnen, indem sie behaupten, dass dies die einzige Möglichkeit zur Zusammenarbeit wäre. Es sind Menschen am Rande des Arbeitsmarktes wie Flüchtlingen und prekär Beschäftigte im Niedriglohnsektor die versuchen auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.
Die Gig-Economy birgt für Menschen in Form von Scheinselbstständigkeit viel Unsicherheit. Den Beschäftigten werden Grundrechte wie ein Mindesteinkommen vorenthalten. Dies ist ein grundlegendes Problem in Europa und muss sich ändern. Doch solange es keine EU weite Regelung gibt, muss für jede einzelne Plattform in jedem Land extra verhandelt werden. Eine echte Herausforderung für Gewerkschaften.

 

Artikel weiterempfehlen