Um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten, speichert diese Website Informationen über Ihren Besuch in sogenannten Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen über Cookies, sowie welche Daten wir wie lange speichern, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Dort können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen und die Browsereinstellungen entsprechend anpassen.

GPA-djp
Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier
www.watchlist-praktikum.at
www.watchlist-praktikum.at
www.watchlist-praktikum.at

Der permanenten Inszenierung von Rechtsunsicherheit den Kampf ansagen

Entlohnung nach Kollektivvertrag, Definition von Lerninhalten und Beweislastumkehr gefordert

Im Juli hat die Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier (GPA-djp) mit der Unterstützung des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz (BASK) und der „Plattform Generation Praktikum“ die watchlist-praktikum.at gestartet. Betroffene können auf der Onlineplattform anonym ihre Erfahrungen mit Praktika und offensichtliche Missstände melden. Die Angaben werden zur Prüfung auch an die jeweiligen Gebietskrankenkassen weitergeleitet, die bei Vorliegen von Arbeitsverträgen die sozialversicherungsrechtliche Richtigstellung verlangen können.

„Die Problematik ist größer als befürchtet: wir haben bereits knapp mehr als 30.000 Klicks und mehr als 100 Meldungen bekommen“, zieht Veronika Kronberger, Vorsitzende der „Plattform Generation Praktikum“ und in der GPA-djp zuständig für die Interessengemeinschaft work@flex eine erste Bilanz. Umgehungen werden in nahezu allen Branchen gemeldet. „In den meisten Fällen geht es um die Unter- oder Nichtbezahlung, in vielen Unternehmen werden vollwertige Angestellte durch PraktikantInnen ersetzt, beklagt werden sowohl physische als auch psychische Übergriffe. Wir können hier nicht mehr von einzelnen schwarzen Schafen sprechen, es handelt sich schon um ganze Herden. Leider sind auch der öffentliche bzw. der halböffentliche Bereich keine Ausnahme, da werden uns viele Fälle gemeldet“, fasst Kronberger zusammen und verweist auf ein aktuelles Inserat des Gemeindebundes, der ein Volontariat in seiner Pressestelle für 300 Euro monatlich anbietet.

„Die Plattform „Watchlist Praktikum“ ist ein weiteres, gutes Instrument, um Missstände wie beispielsweise unterlassene Anmeldungen zur Sozialversicherung, oder Unterentlohnung aufzuklären. Stellen wir im Rahmen einer dahin gehenden Überprüfung Missstände fest, werden die notwendigen Korrekturen, verbunden mit der entsprechenden Beitragsnachentrichtung inklusive der Verrechnung von Verzugszinsen, vorgenommen“, erklärt Richard Nowatschek, stellvertretender Leiter der Abteilung Beitragsprüfung der Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK). In wie vielen Fällen es zu Nachzahlungen kommt, kann Nowatschek nicht sagen. Die über die Watchlist Praktikum eingelangten Fälle werden zu den rund 25.000 Überprüfungen addiert, die die Gebietskrankenkassen und Finanzprüfer österreichweit jährlich durchführen.

„Wir nehmen das Thema der fairen Arbeitsbedingungen für PraktikantInnen sehr ernst. Auch wenn es eine gewisse Grauzone gibt: diese permanente Inszenierung von Rechtsunsicherheit der Arbeitgeber werden wir keinesfalls mehr tolerieren“, ergänzt Karl Proyer, stv. Bundesgeschäftsführer der GPA-djp. Die Watchlist Praktikum habe sich auch als Informationsmedium bewährt. Ergänzend setzt die GPA-djp auf die rechtliche Information von Betriebsratskörperschaften, um für das Thema zu sensibilieren, so Proyer. Ebenso wird in Zusammenarbeit mit der ÖH die Information Betroffener verstärkt.

„Unsere Forderungen liegen auf der Hand: die Entlohnung von PraktikantInnen muss nach Kollektivvertrag erfolgen, die Lehrinhalte von Praktika müssen in den Hochschullehrplänen definiert werden und wir brauchen eine Beweislastumkehr. Es ist nicht einzusehen, dass immer die PraktikantInnen rennen müssen, um zu beweisen, dass sie nichts gelernt haben - die Dienstgeber sollen erklären, was sie vermitteln“, so Proyer abschließend: „Unsere strategische Zielsetzung ist klar: wir wollen erste Adresse für BerufseinsteigerInnen werden, also kämpfen wir gemeinsam mit den Betroffenen für faire Arbeitsbedingungen!“

Artikel weiterempfehlen