Um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten, speichert diese Website Informationen über Ihren Besuch in sogenannten Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen über Cookies, sowie welche Daten wir wie lange speichern, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Dort können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen und die Browsereinstellungen entsprechend anpassen.

GPA-djp
Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier

§5 Entschädigung für Kompetenz, Aufwand und Erschwernis

Zusatzkollektivvertrag Dienstreise Außendienst: Mobildienst
Vorschläge für branchenübergreifende europataugliche Kollektivvertragslösungen


5.1 Berufliche Tätigkeiten außerhalb der Betriebsstätte, also auf Dienstreisen, direkt beim Kunden, bei Patienten/Patientinnen, auf einer Baustelle oder auf einem Messestand, erfordern im Vergleich zur selben beruflichen Tätigkeit innerhalb der Betriebsstätte erweiterte Fähigkeiten und Kompetenzen.
Erfolgen diese Tätigkeiten in einem anderen Land, sind weitere Kompetenzen sprachlicher und kultureller Art erforderlich, um die gestellten Aufgaben erfüllen zu können.17

5.2 Berufl iche Tätigkeiten außerhalb der Betriebsstätte sind auch mit persönlichem Mehraufwand verbunden, der je nach Dienstreise, Einsatzort und Einsatzland unterschiedlich sein kann.

5.3 Nächtigungskosten werden bei reisebedingt notwendiger Nächtigung gegen Vorlage der Hotelrechnung erstattet, sofern der Arbeitgeber nicht selbst für eine angemessene Unterkunft vorgesorgt hat.18

5.4 Das Taggeld ist eine Entschädigung sowohl für den Mehraufwand als auch für erweiterte Kompetenz und höhere Erschwernis der Tätigkeit außerhalb der Betriebsstätte.19
Das Taggeld beträgt Euro 80 pro Kalendertag. Für auswärtige Tätigkeit bis zu drei Stunden gebührt kein Taggeld, von 3 bis 6 Stunden 2/4 Taggeld, von 6 bis 9 Stunden 3/4 Taggeld und bei mehr als 9 Stunden das volle Taggeld.20
Es ist jährlich in der Höhe entsprechend dem europäischen Preisindex laut Eurostat anzupassen.

5.5 Abzüge: Folgende Abzüge vom Taggeld können vorgenommen werden:
Für das Frühstück erfolgt kein Taggeldabzug.21
Für ein zur Verfügung gestelltes angemessenes Mittag- oder Abendessen einschließlich der Getränke können je 15% des Taggeldes abgezogen werden.22
Bei voller Verpflegung im Umkreis von 10km zur Betriebsstätte entfällt das Taggeld.
Bei einem Krankenhausaufenthalt während der Dienstreise können bei voller Krankenhausverpflegung zwei Drittel des Taggeldes abgezogen werden.

5.6 Pauschalierung: Zum Zweck der administrativen Vereinfachung können die Taggelder für ständig Reisende, Außen- und Mobildienst durch Branchenkollektivvertrag oder Betriebsvereinbarung pauschaliert oder
durch entsprechende Berücksichtigung in der kollektivvertraglichen Einstufung pauschal abgegolten werden, wenn diese Regelung materiell gleichwertig ist.23

______________________________________________________________

17 Der Grad der Selbstständigkeit und Verantwortung ist höher, da in der Regel Alleinentscheidungen getroffen werden müssen und Rücksprachen mit Vorgesetzten oder Einholen kollegialer Expertise oft nicht möglich sind.
Der Grad der körperlichen und/oder psychischen Belastung ist erhöht, da keinerlei Hilfe oder Unterstützung durch Vorgesetzte oder Kollegen
und Kolleginnen aus dem Betrieb möglich ist.
Ungünstige Arbeitsbedingungen wie beengte räumliche Verhältnisse, schlechtes Licht, aber auch verschiedene höhere Sicherheitsrisiken erfordern größere Flexibilität und Improvisationsfähigkeit.
Außerhalb der Betriebsstätte sind mehr Allrounder-Fähigkeiten gefragt, zB in Bezug auf Sprachen, Behördenkontakte, spezielle Kundenfragen, Vertragsklauseln und Vertragsbedingungen - Kompetenzen, die im Betrieb selbst oft durch eigene Abteilungen abgedeckt werden.
Bewegung im Verkehr (sei es als Lenker/in eines Fahrzeugs oder Teilnehmer/in im öffentlichen Verkehr) erfordert zusätzliche Kompetenz, Konzentration, logistische Fähigkeit und Verantwortung (für Personen, Fahrzeug und Ladung).
18 Das in aktuellen Kollektivverträgen teilweise ausgewiesene Nächtigungsgeld bei Nachtreisen in öffentlichen Verkehrsmitteln entfällt, da
entweder Schlafwagen oder Business Class eine angemessene Erholungsmöglichkeit (Nachtruhe) bieten oder die Zeit als Arbeitzeit voll
vergütet wird.
19 Mehraufwand kann sich bei mehrtägigen Dienstreisen auch daraus ergeben, dass für private Versorgungsverpflichtungen (Kinder, Pflegebedürftige)
Ersatzdienstleistungen organisiert und ggf. bezahlt werden müssen.
20 Aktuelle Regelungen in den Kollektivverträgen weisen hier die größten Unterschiede hinsichtlich materielle Höhe, Anspruchsbedingungen,
Strukturen (ab wann, in welchem Stundenraster) und in der Unterscheidung und Kombination zwischen Inlands- und Auslandsdienstreisen
auf. Daher ist der Vorschlag für eine Veränderung in diesem Punkt auch am größten. Hauptansatzpunkte sind die Gleichhaltung
von Inlands- und Auslandsdienstreisen, die Orientierung an EU-Tagsätzen (daily allowance) und das Abgehen vom alleinigen Argument des Mehraufwands und die Hinwendung zu einer Entschädigung der Mehrbelastung nicht nur in materieller Hinsicht, auch wenn damit klarerweise die zumindest teilweise Besteuerung dieser Entschädigungen in Kauf genommen werden muss.
Der Tagsatz von Euro 80 entspricht der Daily Allowance im europäischen Durchschnitt und liegt in der Nähe der derzeit besten betrieblichen
Spesensätze (best practice), jedenfalls aber über den derzeitigen kollektivvertraglichen Sätzen. Der geringere Mehraufwand in manchen
Ländern wird durch erhöhte Kompetenzanforderungen ausgeglichen. Im Sinne einer Vereinfachung und Gleichhaltung von Inlands- und
Auslandsdienstreisen wird auf länderspezifische Differenzierungen im Taggeld konsequenterweise verzichtet, auch wenn in mehreren europäischen Ländern der Aufwand höher als in Österreich ist. Zum Vergleich die weltweiten Tagsätze gemäß EU-Regeln: http://www.eutac-project.eu/resources/ExpertMission03-Allowance$2BHotel-AnnII.xls 
Anmerkung: Weiterer Aufwand, der in bestehenden Kollektivverträgen als Messegelder, Trennungskosten, Trinkgeldersatz usw. ausgewiesen
wird, gilt durch den erhöhten Tagsatz als abgegolten und entfällt daher.
Unberücksichtigt bleibt in diesem Zusammenhang auch die abgabenrechtliche Seite des Taggeldes (teilweise und je nach Einsatzland in unterschiedlichem Ausmaß abgabenbefreit von Sozialversicherung und Einkommensteuer). Zur leichteren Anpassung wäre alternativ zur Viertelregelung auch eine Zwölftelregelung beim Taggeld möglich.
21 Die unterschiedliche Verrechnungsweise und Qualität, oft das Fehlen einer Wahlmöglichkeit, manchmal auch die Tatsache, dass das Frühstück nicht extra ausgewiesen wird, sprechen für diese einfache Regelung, keinerlei Abzüge vorzunehmen.
22 Da sich der Abzug nur auf den Aufwandsanteil beziehen kann, ist er mit 15% niedriger als in aktuellen Kollektivverträgen angesetzt. Angemessen
ist eine Mahlzeit, wenn sie außer Qualitätsstandards auch gesundheitlichen oder religiösen Anprüchen des Arbeitnehmers/der Arbeitnehmerin genügen.
23 Das erlaubt branchenspezifisch genaue und praktikable Speziallösungen ohne Abstriche vom Anspruchsniveau der einheitlichen Regelung.  

Kommentar verfassen

Bitte loggen Sie sich ein!

Wenn Sie noch nicht registriert sind, können Sie die Erstanmeldung auf unserer Website selbst durchführen - Jetzt registrieren. 

Sollten Sie kein Mitglied einer Gewerkschaft sein, können Sie sich als InteressentIn registrieren. Diese Registrierung ist kostenlos. Sie brauchen lediglich Ihren Namen und eine E-Mail-Adresse anzugeben
Registrierung als Interessent.
 

Sollten beim Einsteigen Probleme entstehen, schreiben Sie uns bitte an i-media@gpa-djp.at. 

Bitte geben Sie Ihren Usernamen und Ihr Passwort ein.  

Artikel weiterempfehlen