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GPA-djp
Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier

Mehrarbeit und Überstunden

Was ist das und wie werden sie abgegolten?

Mehrarbeit
Als Mehrarbeit wird jene Arbeit bezeichnet, die zwischen dem vereinbarten Normalarbeitszeitausmaß (z.B. 38,5 Wochenstunden) und dem gesetzlichen Normalarbeitszeitausmaß (im Regelfall 40 Wochenstunden) geleistet wird. Erst wenn über das gesetzliche Normalarbeitszeitausmaß hinaus gearbeitet wird, fallen Überstunden an. Sind Sie Vollzeitbeschäftigt, ist die von Ihnen geleistete Mehrarbeit – sofern der Kollektivvertrag nichts anderes bestimmt - zuschlagsfrei. Das bedeutet, Sie bekommen Mehrarbeit im Verhältnis 1:1 ausbezahlt oder durch Zeitausgleich abgegolten.

Teilzeitkräfte haben seit 1.1.2008 Anspruch auf einen gesetzlichen Mehrarbeitszuschlag, der wie folgt geregelt ist:
  • Für Mehrarbeitsstunden gebührt ein Zuschlag von 25 %.
  • Mehrarbeitsstunden sind allerdings dann nicht zuschlagspflichtig, wenn sie innerhalb eines Kalendervierteljahres oder eines anderen festgelegten 3-Monats-Zeitraumes, in dem sie angefallen sind, durch Zeitausgleich im Verhältnis 1:1 ausgeglichen werden.
  • Sieht ein Kollektivvertrag für Vollzeitbeschäftigte eine kürzere wöchentliche Normalarbeitszeit als 40 Stunden vor und erhalten Vollzeitbeschäftigte für Mehrarbeit keinen Zuschlag oder einen geringeren Zuschlag, so sind Mehrarbeitsstunden von Teilzeitbeschäftigten im selben (wöchentlichen) Ausmaß zuschlagsfrei bzw. mit dem geringeren Zuschlag abzugelten.
  • Eine Abgeltung von Mehrarbeitsstunden durch Zeitausgleich nach dem vereinbarten 3-Monats-Zeitraum kann im Verhältnis 1: 1,25 vereinbart werden.
ACHTUNG: Der Kollektivvertrag kann abweichende Regelungen treffen.

Gibt es im Betrieb eine Gleitzeitvereinbarung, besteht kein Anspruch auf Mehrarbeitszuschlag, wenn die vereinbarte Arbeitszeit innerhalb der Gleitzeitperiode im Durchschnitt nicht überschritten wird. Auch Gutstunden, die in die nächste Gleitzeitperiode übertragen werden können, sind zuschlagsfrei.
Fallen im Rahmen einer Gleitzeitvereinbarung allerdings angeordnete Mehrstunden an, so sind diese - ebenso wie angeordnete Überstunden - grundsätzlich zuschlagspflichtig. Echte Gleitzeit setzt nämlich voraus, dass die ArbeitnehmerInnen sich ihre Arbeitszeit innerhalb der Grenzen der Gleitzeitvereinbarung frei einteilen können. Gibt es neben dem Mehrarbeitszuschlag auch noch andere gesetzliche oder kollektivvertragliche Zuschläge für zeitliche Mehrleistung, gebührt jeweils nur der höchste Zuschlag.
 
Überstunden
Überstundenarbeit liegt vor, wenn die gesetzlich zulässige wöchentliche Normalarbeitszeit von 40 Stunden oder die tägliche Normalarbeitszeit von 8 Stunden überschritten wird. Achtung: Die 40 bzw. 8 Stunden Normalarbeitszeit können im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten anders verteilt oder verlängert werden.

Für Überstunden gebührt jedenfalls ein Zuschlag von 50 Prozent oder eine Abgeltung durch Zeitausgleich, also Freizeit. Nicht als Überstunden gelten:
  • Gleitzeitguthaben, die übertragen werden können
  • Zeitguthaben, die in die nächste Durchrechnungsperiode übertragen werden können
Achtung bei Teilzeit
Überstunden liegen auch bei einer Teilzeitbeschäftigung erst dann vor, wenn die wöchentliche oder tägliche Normalarbeitszeit überschritten wird. Kommt es bei der Teilzeit zur Beendigung des Dienstverhältnisses, sind geleistete Mehrstunden mit einem Zuschlag von 50 Prozent abzugelten; außer der Kollektivvertrag bestimmt Abweichendes.
 
Das Arbeitszeitgesetz regelt die Voraussetzungen sowie den zulässigen Umfang der Überstundenarbeit, begründet jedoch kein einseitiges Anordnungsrecht des/der ArbeitgeberIn auf Mehrleistung des/der ArbeitnehmerIn. Eine Verpflichtung des/der ArbeitnehmerIn zur Leistung von Überstunden ist nur dann gegeben, wenn sich diese Verpflichtung aus Gesetz, Kollektivvertrag, Betriebsvereinbarung oder Einzelarbeitsvertrag ergibt.
 
Achtung: ArbeitnehmerInnen dürfen zur Überstundenarbeit nur dann herangezogen werden, wenn keine berücksichtigungswürdigen Interessen des/der ArbeitnehmerIn verletzt werden. Eine derartige Abwägung der unterschiedlichen Interessen von ArbeitnehmerInnen und ArbeitgeberInnen kann im Einzelfall sehr schwierig sein. Lehnt ein/e ArbeitnehmerIn - ohne entsprechend berücksichtigungswürdige Interessen zu haben - die Überstundenleistung ab, kann dies allerdings schwerwiegende Folgen bis hin zur Entlassung haben!
 
Grenzen der Überstundenarbeit
Bei Vorliegen eines erhöhten Arbeitsbedarfes können fünf Überstunden wöchentlich vereinbart werden. Darüber hinaus können weitere fünf Überstunden wöchentlich (insgesamt also zehn Überstunden wöchentlich), diese jedoch nur in einem jährlichen Höchstausmaß von 60 Stunden ohne Zustimmung des Arbeitsinspektorates vereinbart werden. Die Tagesarbeitszeit (= Normalarbeitszeit + maximal zulässige Überstunden) darf dabei grundsätzlich 10 Stunden nicht überschreiten.

Achtung: Es gibt allerdings div. Möglichkeiten (durch Gesetz, Kollektivvertrag oder Betriebsvereinbarung), die tägliche oder wöchentliche Normalarbeitszeit zu verlängern. Zum Beispiel bei Arbeitsbereitschaft, 4-Tage-Woche, in diversen Branchen (z.B. Gastgewerbe). Dadurch kann sich auch ein höheres Ausmaß an zulässigen Überstunden ergeben. Darüber hinaus kann aber nur das Arbeitsinspektorat bei Nachweis eines dringenden Bedürfnisses auf Antrag des/der ArbeitgeberIn Überstunden bewilligen.
 
Auszahlung der Überstunden
Für Überstunden gebührt ein Zuschlag von 50 Prozent oder eine Abgeltung durch Zeitausgleich. Der Überstundenzuschlag ist auch bei der Bemessung des Zeitausgleiches zu berücksichtigen oder gesondert auszuzahlen.
 
Achtung: Besteht keine Vereinbarung zwischen ArbeitnehmerIn und ArbeitgeberIn - und findet sich auch im anzuwendenden Kollektivvertrag oder einer Betriebsvereinbarung keine Regelung -, so gebührt eine Abgeltung in Geld.
 
In vielen Kollektivverträgen sind für Nacht-, Feiertags- und Sonntagsarbeit 100%-ige Zuschläge vorgesehen. Der Berechnung des Zuschlages ist die Normalstundenentlohnung zu Grunde zu legen, wobei der Kollektivvertrag auch eine günstigere Berechnungsart vorsehen kann.
 
Zeitausgleich für Überstunden
Da Überstunden mit dem entsprechenden Zuschlag vergütet werden müssen, ist dieser Zuschlag auch bei einem Zeitausgleich entsprechend zu berücksichtigen. Ein Zeitausgleich für 50%-ige Überstunden beträgt demnach 1:1,5 oder bei 100%-igen Überstunden 1:2. Es kann aber auch die jeweilige Grundstundenentlohnung in Zeit 1:1 abgegolten werden und der Zuschlag in Geld ausbezahlt werden.
 
Achtung: Eine Vereinbarung, Überstunden nur im Verhältnis 1:1 abzugelten, ist nicht zulässig. Vorenthaltene Zuschläge können unter Berücksichtigung allfälliger Verjährungs- und Verfallsbestimmungen nachgefordert werden. Nehmen Sie dazu unbedingt Kontakt mit der GPA-djp auf.
 
Um fehlende Überstundenentgelte erfolgreich nachfordern zu können, ist eine Arbeitszeitaufzeichnung erforderlich, auf der Datum und Uhrzeit des Arbeitsbeginns und -ende ersichtlich sind. Wir raten also, tägliche Arbeitszeitaufzeichnungen zu führen und diese gut aufzubewahren. Sie solltest diese, wenn möglich, von dem/der DienstgeberIn bestätigen lassen.
 
Überstundenpauschale
Wurde eine Überstundenpauschale vereinbart, so soll dieses Pauschale die durchschnittlich anfallenden Überstunden abdecken. Leisten Sie im Durchschnitt eines längeren Zeitraumes mehr Überstunden als durch die Pauschale abgedeckt werden, so sind diese zusätzlich abzugelten.
 
Achtung: Die Überstundenpauschale ist ein Bestandteil des Entgelts und darf von dem/der ArbeitgeberIn einseitig nicht gekürzt oder aufgehoben werden, wenn die Pauschale nicht von vorneherein nur auf eine bestimmt Zeit bzw. auf vorübergehende Arbeiten beschränkt oder der Vorbehalt eines Widerrufs ausdrücklich vereinbart wurde.

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