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GPA-djp
Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier
Wolfgang Katzian, Vorsitzender der GPA-djp Wolfgang Katzian, Vorsitzender der GPA-djp
Dwora Stein, Bundesgeschäftsführerin der GPA-djp Dwora Stein, Bundesgeschäftsführerin der GPA-djp
Rund 1000 BetriebsrätInnen versammelten sich in Wien Rund 1000 BetriebsrätInnen versammelten sich in Wien

BetriebrsätInnen-Konferenz: "Kürzer arbeiten – leichter leben!"

Rund 1000 BetriebsrätInnen versammeln sich zum Auftakt der bundesweiten Aktionswoche in Wien.
Ganz Europa und im zunehmenden Maße auch Österreich sind von einer Beschäftigungskrise erfasst. In Österreich sind aktuell fast 400.000 Menschen von Arbeitslosigkeit betroffen. Das ist der höchste Wert seit den fünfziger Jahren. Es ist nicht davon auszugehen und völlig unrealistisch, dass es in nächster Zeit ausreichende Wachstumsraten gibt, um die Arbeitslosigkeit zu vermindern. Während Hunderttausende auf Arbeitszeit Null gesetzt sind, gibt es immer mehr Beschäftigte, die zu lange arbeiten. Bei der tatsächlich geleisteten rbeitszeit und den Überstunden liegt Österreich im europäischen Spitzenfeld.

Bilder der BetriebsrätInnen-Konferenz gibt es hier

Arbeit teilen – Beschäftigung sichern
Die derzeit geltende gesetzliche Arbeitszeit von 40 Stunden pro Woche wurde im Jahr 1975, also vor 40 Jahren, eingeführt. In vielen Kollektivverträgen liegt die Wochenarbeitszeit darunter, etwa bei 38,5 Stunden. Aber auch hier wurden die letzten Verkürzungen vor 25 Jahren durchgeführt. Die verkürzte Wochenarbeitszeit ist bei vielen ArbeitnehmerInnen jedoch nie angekommen, die tatsächliche durchschnittliche Wochenarbeitszeit bei Vollzeitbeschäftigung liegt in Österreich bei rund 42 Stunden.

Neue Arbeitszeitpolitik im Interesse der Frauen
Die derzeitige Arbeitszeitrealität sieht so aus, dass Männer Vollzeit arbeiten und Frauen in immer größerem Ausmaß Teilzeit. Das ist kein modernes Gesellschaftsmodell, sondern eines von vorgestern. Das Delta zwischen immer längeren Arbeitszeiten bei Männern und kurzer Arbeitszeit für Frauen muss daher geschlossen werden.
 
Auch beim geltenden Urlaubsrecht werden Frauen benachteiligt. Seit dem Jahr 1984 ist im österreichischen Urlaubsrecht eine sechste Urlaubswoche vorgesehen, aber nur für ArbeitnehmerInnen, die 25 Jahre im selben Unternehmen arbeiten.
 
Vor allem Frauen erfüllen oft nicht diese notwendige Voraussetzung, nämlich 25 Jahre Beschäftigung in ein und demselben Unternehmen. In Wirklichkeit werden sie dafür bestraft, weil sie den Arbeitgeber öfter wechseln und damit jene Flexibilität unter Beweis stellen, die von den Unternehmen gefordert wird.
 
IFES-Befragung bestätigt Handlungsbedarf
Die von der GPA-djp in Auftrag gegebene IFES-Studie zum Thema Arbeitszeit zeigt, dass in hohem Ausmaß länger gearbeitet wird als vereinbart (Folie 11) und in hohem Ausmaß auch flexibel gearbeitet wird. Bei längeren Arbeitszeiten nehmen die Arbeitszufriedenheit ab und die Belastung zu (Folie12). Gleichzeitig existiert der Wunsch, die Arbeitszeit zu reduzieren (Folie 14).
 
66 Prozent der Befragten sind für die Verkürzung der Arbeitszeit auf 35 Stunden bei gleichbleibendem Gehalt (Folie 15). Immerhin 23 Prozent würden auch eine kürzere Arbeitszeit bei reduziertem Gehalt befürworten.
 
Einer sechsten Urlaubswoche für mehr Beschäftigte stimmen 67 Prozent der Befragten zu. Immerhin 52 Prozent können sich eine Viertage-Woche gut vorstellen (Folie 6). 62 Prozent der Befragten sind dafür, dass sich Gewerkschaften stärker für eine Arbeitszeitreduktion einsetzen (Folie 17).
 
Diesen Auftrag nimmt die GPA-djp gerne an und formuliert diese Forderungen:

• Generelle Verkürzung der gesetzlichen Arbeitszeit auf 38,5 Stunden: Eine wichtige Maßnahme zur Angleichung der Arbeitszeitbedingungen für alle ArbeitnehmerInnen, die sofort umgesetzt werden könnte, ist die in vielen Kollektivverträgen bereits durchgesetzte Normalarbeitszeit von 38,5 Stunden auch im Arbeitszeitgesetz zu fixieren.

• Verkürzung der Normalarbeitszeit auf 35 Stunden. Diese soll zunächst in Kollektivverträgen umgesetzt werden. Die Verkürzung muss mit vollem Lohn- und Gehaltsausgleich erfolgen.

• Recht auf eine 30-Stunden Woche für junge Mütter und Väter.

• Verkürzung der tatsächlich geleisteten wöchentlichen und täglichen Arbeitszeit. Die Reduktion der Überstunden muss daher das erste wichtige Ziel sein. Um die Attraktivität von Überstunden zu reduzieren, sollen etwa Arbeitgeber, in deren Unternehmen besonders viele Überstunden geleistet werden, höhere Beiträge zur Arbeitslosenversicherung bezahlen. Auch weitere Maßnahmen, um Überstunden weniger attraktiv zu machen, sind sinnvoll. Bestehende Durchrechnungszeiträume sind auf ihre Auswirklungen auf die Beschäftigten zu überprüfen und gegebenenfalls neu zu regeln.

• Sechs Wochen Urlaub für mehr ArbeitnehmerInnen: Immer weniger ArbeitnehmerInnen sind lange genug bei einem Arbeitgeber, um einen Anspruch auf die sechste Urlaubswoche zu erwerben.

• Eine Woche Bildungsfreistellung für alle: Um die Herausforderungen eines immer flexibler und fordernder werdenden Arbeitsmarkts bewältigen zu können, sollen alle ArbeitnehmerInnen einen kollektivvertraglichen Anspruch auf eine bezahlte (Bildungs-) Freistellung im Ausmaß von 1 Woche jährlich haben (ist in vielen Kollektivverträgen bereits umgesetzt).

• Der Entgrenzung der Arbeitszeiten muss entgegengewirkt werden. Geleistete Arbeitszeit darf nicht verfallen.

• Begrenzung von All-In-Verträgen auf tatsächliche Führungsfunktionen.

• Weiterentwicklung der Freizeitoption in Kollektivverträgen. Abtausch einer kollektivvertraglichen IST-Erhöhung für mehr Freizeit.

 

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